Perspektive

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Wenn wir verstehen möchten, wie das Gefühl der Fremdheit entsteht, müssen wir zunächst verstehen, durch welche Mechanismen Fremdheit gemacht wird damit sie überhaupt als solche erlebbar ist. Fremdheit ist nicht einfach da, sondern ist ein Phänomen, das zufiefst kulturell durchwoben ist.
Fremdheit wird hier ausgehend von einem ethnomethodologischen  Verständnis des „doing strangeness“ im Anschluss an das „doing difference“-Konzept (West/Fenstermaker 1995) als etwas verstanden, das in Alltagsinteraktionen hergestellt wird. Was und wen wir als fremd sehen, ist gesellschaftlich bedingt. ‚Wir werden nicht als Fremde geboren, sondern dazu gemacht‘ frei nach Simone de Beauvoir (1951[1949]) für die Position der „Frau“ ausgeführt. Fremd ist niemand, sondern durch unterschiedliche kulturelle – hier heteronomative – ­ Adressierungen werden Menschen zu Fremden.
Geht man nach Alfred Schütz und Georg Simmel so ist der/die/das Fremde eine Person, die sich einer anderern Gruppe nähert und von dieser dauerhaft akzeptiert werden möchte (vgl. Simmel 2002 & Schütz 2002).  Entlang welcher Dimensionen dabei der/die/das Fremde im Kontext sexueller Vielfalt hergestellt wird, ist unterschiedlich. Dabei kommt es häufig zu Prozessen des Ausschließens und Diskriminierens (vgl. auch Simmel 2002). Wer oder was fremd ist, ist damit eine Frage, die ausgehend von dem Kulturellen definiert wird.

 

Bildquelle: Franzsika J. Braun