Einleitung

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Mobilität und eine weitaus globalisierte Welt ermöglichen es heute, in weit entfernten Städten zu arbeiten, zu leben und zu studieren. Viele Schüler*innen wollen nach dem Abitur ein Studium beginnen und stellen sich die Frage, wohin die Reise geht. Nachdem sie jahrelang an ihren Schulort gebunden waren, können sie nun meist selbst entscheiden wo sie die nächste Zeit ihres Lebens verbringen wollen. Durch zahlreiche neue Perspektiven ergeben sich unbekannte Herausforderungen. Nicht nur, dass viele der Abiturient*innen ihre Heimatstadt verlassen und in eine andere Stadt ziehen, ebenso müssen sie lernen, mit dem für sie neuen System der Universität klarzukommen. Die Leute in der Stadt sind ihnen unbekannt, sowie auch die Universität und ihre Lehren. Stellt sie dies vor eine Herausforderung? Ist es schwer für sie sich gleichzeitig in der unbekannten Umgebung zurechtzufinden, neue Freundschaften zu knüpfen und sich einzuleben? Die neuen Studierenden werden in eine meist neue, unbekannte Umgebung geführt. Kommen bei ihnen in dieser Situation Fremdheitsgefühle auf und wenn ja, wo und warum? Genau dieser Frage wurde in dieser Forschung nachgegangen. Vorherige Forschungsansätze, welche sich mit dem Thema Fremdheit befassten, hatten als Hauptaugenmerk Fremdheit bei Personen aus dem Ausland bzw. mit Asyl (vgl. Hellmann 1998: 402f.). Fremdheitsforschungen an der Universität befassten sich mit Bildungsaufsteiger*innen (vgl. Käpplinger et al. 2019: 296f.), jedoch nicht mit der allgemeinen Studienschaft. Daher war es ein Anliegen das Fremdheitskonstrukt bei neuen Studierenden im Allgemeinen zu untersuchen. Ziel dieser Arbeit war es herauszufinden, ob und wann sich neue Studierende an der Universität fremd fühlen und was ihnen dabei helfen könnte, dieses Gefühl von Fremdheit zu überwinden. Dabei spielte sowohl das Fremdsein als auch das Fremdwerden eine zentrale Rolle. Mit Hilfe ethnografischer Interviews (vgl. Spradley 1979) wurden die Erstsemesterstudierenden in ihrem neuen Alltag in einer Großstadt in Thüringen begleitet. Durch die Begleitung einzelner Personen wurden so genau Punkte über individuelle Fremdheitsgefühle herausgefiltert.