Ergebnisse

Drucken

Fremdheit schien bei den meisten Erstsemesterstudierenden ein alltägliches Gefühl zu sein. Dennoch konnten die Beobachtungen zeigen, dass die Studierenden sich nicht in einem spezifischen Bereich fremd fühlen, sondern in unterschiedlichen Bereichen: bei manchen Studierenden war es die Universität, bei anderen die Stadt etc. Besonders auffällig waren bestimmte Verhaltensweisen von den Personen: war ihnen jemand oder etwas fremd, gingen sie vorsichtig und mit Abstand darauf zu.

Nähe und Distanz

Auffällig waren hier einmal die Nähe und Distanz. Personen die bekannt waren wurden direkt angesteuert und integriert, wohingegen fremde Personen vorerst meist in Abstand gehalten wurden. So blieb eine Person in ihrer vertrauten Gruppe und grenzte sich räumlich zu anderen unbekannten Einzelpersonen oder Gruppen ab. Sehr interessant war dabei, was vor allem in den Beobachtungen festgestellt werden konnte, wie sich diese Beziehungen mit der Zeit veränderten. Den Beobachteten schien ihre „Gleichheit“ mehr und mehr bewusst zu werden, sie verhielten sich den anderen gegenüber offener und agierten nach und nach immer mehr als Gruppe statt als Individuen.„[…] Der Fremde ist uns nah, insofern wir Gleichheiten nationaler oder sozialer, berufsmäßiger oder allgemein menschlicher Art zwischen ihm und uns fühlen […]“ (Simmel 1908, S. 511). Der oder das Fremde tritt somit nicht nur als fremd auf, sondern auch als Teil der Gesellschaft und in ihr vereint (vgl. Simmel 1908, 509f.). 

Das Handy

Anschließend dazu ließ sich das Handy als wichtiger Gegenstand in der Beobachtung verordnen. Um an das Nähe-und-Distanz-Verhältnis anzuknüpfen, lässt sich hier sagen, dass Handys vor allem zur Ablenkung und als Distanzmittel benutzt wurden, besonders bei Einzelpersonen in einer fremden Umgebung. Aber auch zur Orientierung wurde das Handy in vielen Fällen der Befragungen genannt. So spielen bei diesem Aspekt sehr viele Unterpunkte eine wichtige Rolle. Vor allem der Austausch untereinander wurde verstärkt über das Handy getätigt. Die Studierenden benannten diesen Aspekt als besonders positiv: es sei so möglich im Austausch und Kontakt mit Betreuern und Studierenden aus höheren Semestern zu bleiben. 

Vertraute Orte 

"Das Zuhause ist da, wo die sozialen Kontakte sind." (Protokoll)

Außerdem war auffällig, wie viele der Studierenden bei der Wahl des Studienortes vorgingen. Viele wählten einen Ort, welcher ihnen entweder bekannt war oder in der Nähe zu ihrer Heimatstadt lag. Somit hatten viele der Erstsemesterstudierenden einen Bezug zu Jena und beschrieben die Stadt als weniger fremd. Ebenso richten sich viele Studierende zu Beginn danach neue Kontakte zu knüpfen, um die Fremdheit etwas zu verringern. Soziale Kontakte bilden für die meisten die Grundlage um sich „heimisch“ zu fühlen.

Fazit: Das Gefühl der Fremdheit schwindet mit der Zeit

Insgesamt lässt sich sagen, dass sich bei den meisten Studierenden zu Beginn des Studiums ein Gefühl von Fremdheit einstellt, welches sich aber nach und nach legt. Dies geschieht zum einem nach einer gewissen Zeit der Eingewöhnung, zum anderen empfanden die Erstsemesterstudierenden die Studieneinführungstage (STET) als große Hilfe, da ihnen die Veranstaltung dabei half sich in der Stadt zurechtzufinden, neue Leute kennenzulernen und ebenso einen Einblick in das System der Universität zu bekommen.