Perspektive

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Aus welcher Perspektive forschten wir? 

Unsere Forschungsperspektive stützt sich auf dem Ansatz des ‚doing differences‘ nach West und Fenstermaker. Als ‚differences‘ verstehen West und Fenstermaker soziale (Differenz-)Kategorien, die nach dem Konzept des ‚doing‘ andauernd im alltäglichen Tun praktiziert werden und Kategorisierungen und Identifizierungen ermöglichen (Hirschauer 2014:173). Es geht also um Kategorien, die Auslöser für soziale Ungleichheiten und Verschiedenheiten sein können (vgl. Chrenshaw 1989). Darunter zählen neben den viel diskutierten Kategorien: Geschlecht, Ethnizität, Klasse und Religion auch Kategorisierungen, die nicht ganz so präsent sind, unter anderem Fremdheit. Es klingt nicht ganz nachvollziehbar, aber fragen Sie sich selbst: Wie wird Fremdheit von Ihnen und in Ihrem Alltag (re)produziert? Wer ist in ihren Augen “fremd“ und warum? Fremdheit wird hergestellt und durch Sprache, in Interaktionen und über Handlungen permanent ausgehandelt (West 1991:14). Genau hierbei liegt unser Fokus. Wir möchten den Alltag der Frauen und die Konstruktion und (Re)produktion von Fremdheit – doing strangeness – in unserer Forschung untersuchen. Nach West und Fenstermaker jedoch werden soziale Kategorien immer gleichzeitig mit anderen Kategorien hergestellt und differenziert (West 1995:182). Unter ‚doing X while doing Y‘ verstehen sie die Betrachtung der Verwobenheit der sozialen Kategorien (ebd.). Übersetzt auf unsere Forschung bedeutet das, dass wir Fremdheit nicht isoliert untersuchen können, sondern die Verschränkung mit anderen Kategorien berücksichtigen müssen. Hierbei fokussieren wir in unserer Forschung vor allem die Verwobenheit von Fremdsein und Frausein: Damit fragen wir nach dem „doing strangeness while doing woman/gender“. Vorab anzumerken ist, dass es die Frauen mit Fluchterfahrung nicht gibt, sondern einzelne Frauen, die die gemeinsame Fluchterfahrung teilen (Haraway 1995: 86).   Dies liegt daran, dass die Frauen unterschiedlich in gesellschaftliche Verhältnisse eingebunden sind entlang verschiedener sich wechselseitig durchringender Differenzkategorien, die zur sozialen Ungleichheit führen können.