Einleitung

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Wie (er)leben geflüchtete Frauen ihren Alltag? 

Wissen Sie, dass knapp 71 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht sind? Mehr Menschen als jemals zuvor, so bestätigt der UNHCR (2019:4), suchen Schutz und Sicherheit in anderen Ländern. Doch nur ein Bruchteil derer findet Zuflucht in Europa. Verantwortlich dafür sind verschärfte Gesetze, internationale Abkommen und geschlossene Grenzen. Spätestens seit dem Jahr 2015 – als über zwei Millionen Menschen nach Deutschland gekommen sind – wird wohl jedem in Deutschland klar sein, dass Asyl, Flucht und Migration die dominierenden Themen des 21. Jahrhunderts sind. 

Trotz der Fülle von empirischen Studien zu diesen Themen zeigt sich bis heute, dass die Repräsentation und die Perspektive von Betroffenen in den Medien, in der Öffentlichkeit und in der Forschung kaum berücksichtigt werden (vgl. etwa Schneider 2009). Wird Flucht und Migration jedoch thematisiert, dann ist die Debatte medial männlich geprägt (ebd.). Das kann dem zugrunde liegen, dass die Frauen weiterhin nur als ‚Anhängsel‘ der Männer betrachtet und sie durch die traditionelle Rollenvorstellung als passive und von den Männern abhängige Akteur*innen wahrgenommen werden (Han 2003: 1). Doch seit einigen Jahren findet zumindest in der Praxis ein Umdenken statt und das Motto lautet: ‚Migration ist weiblich‘. Unter diesem Motto erfahren Frauen durch institutionelle Organisationen, wie Frauenzentren, Frauenhäuser und Vereine Unterstützung und Möglichkeiten zum Austausch. Diese Unterstützung ist unabdingbar für die Berücksichtigung der Perspektiven und Situationen der Frauen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie geflüchtete Frauen ihren institutionalisierten Alltag (er)leben? Um dieser Fragen nachzugehen, bietet sich ein ethnografischer Ansatz an, der es ermöglicht Frauen mit Fluchterfahrung im institutionellen Alltag zu begleiten und mit ihnen als Expertinnen ihrer Lebenswelt ins Gespräch zu kommen.