Methode

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Wie erhoben wir nun unsere Daten? 

Durch unsere bereits beschriebene Perspektive des ‚doing strangeness while doing gender ‘ lag unser Fokus auf den Interaktionen zwischen den erforschten Frauen und deren Umwelt. Somit war uns die Nähe zum Feld – das sogenannte ‚Eintauchen‘ – besonders wichtig, um die Alltagsgestaltung der Frauen erforschen zu können. Um die soziale Wirklichkeit erkunden zu können, wandten wir uns der qualitativen Methode der Ethnografie zu. Dabei basierte unser Forschungsvorhaben auf dem „freundlichen Gespräch“ (2016: 58) nach James Spradley. Dies gab uns in der Position der Forscherinnen den Rahmen, wie keine andere qualitative Sozialforschung, einen persönlichen Kontakt zu den Frauen aufzunehmen und die Frauen mit Fluchterfahrung in ihrem institutionellen Alltag zu begleiten, um Deutungs- und Handlungsmuster zu rekonstruieren. Damit ist es ein Verfahren, welches die Praxis analysiert und Forscherinnen unmittelbar am Alltag teilnehmen lässt. Das Nah-Dran-Sein ist die große Stärke des ethnografischen Forschungszugangs. 

Problemorientiert kontaktierten wir via „Snowball-Sampling“ (Przyborski und Wohrab-Sahr 2008: 180) einen Verein, der Angebote für Frauen mit Fluchterfahrung bereitstellt. Darüber konnten wir zwei unserer Interviewpartnerinnen – zwei Frauen, zwei unterschiedliche Sprachniveaus, beide vereint die Flucht nach Deutschland – gewinnen. Wir führten insgesamt drei ethnografische Interviews, in drei unterschiedlichen Settings mit ihnen: ein Nähkurs, veranstaltet von einer unserer Informantinnen, adressiert an geflüchtete Frauen. Zudem begleiteten wir eine Frau bei ihrem wöchentlichen Einkauf und zuletzt durften wir uns bei einem Besuch auf dem Weihnachtsmarkt anschließen. Drei Orte, die ihren Alltag zur damaligen Zeit zum Teil skizzierten. Auf Grundlage der geführten Interviews fertigten wir schriftliche Protokolle (Autor*innen nennen sie Verlaufsplan zu den Sitzungen) an, in denen wir durch Kodierung und Konzeptualisierung in Anlehnung an die Grounded Theory nach Strauss und Corbin (1996) vorkommende Phänomene benannt und kategorisiert haben. Die Ergebnisse  werden wir im Folgenden darlegen.